Beyond Popkomm

By mbr at 22 June, 2009, 8:25 pm

Plädoyer für eine zukunftsfähige Musikbusiness-Plattform in Berlin


Die Absage der Popkomm durch den Bundesverband der Musikwirtschaft am vergangenen Freitag hat in der Berliner Szene der Musikschaffenden für Kopfschütteln gesorgt. Vor allem die Begründung, dass neben der Wirtschaftskrise das ‘Internet’  für diese Absage verantwortlich zeichnet, trifft auf wenig Verständnis.

Deshalb formiert sich aus dem Umfeld von Künstlern, Musik- und Softwareunternehmen das Bedürfnis am Original-Termin der Popkomm (16.-18.9.) eine neue Veranstaltung ins Leben zu rufen. Dem Open Source - Prinzip folgend, soll in den nächsten Wochen eine zeitgemäße und zukunftsfähige Musikbusiness-Plattform entstehen, bei der die aktuellen und brisanten Themen der Branche besprochen werden und genug Raum bleibt für neue Musik in den zahlreichen Clubs und Locations der Stadt.

Unter dem Arbeitstitel #unkomm fanden sich in den letzten Tagen bereits zahlreiche Gleichgesinnte auf der Social Media Plattform Facebook. #unkomm entstand auf Initiative der in Wien lebenden deutschen Medienwissenschaftlerin Jana Herwig die in ihrem Blog einen dezentralen Gegenentwurf zur Popkomm forderte. Jana Herwig: „#unkomm findet überall statt, wo Menschen sich mit Musik und ihren Bedingungen auseinandersetzen, auch ohne den Auftrag der Musikindustrie.“

Eine der Berliner Initiativen geht auf Andreas Gebhard, Geschäftsführer von newthinking zurück, der in den nächsten Tagen Gespräche mit den verschiedensten Stakeholdern führt um Inhalt, Programm, Location und die Finanzierung zu sichern. Gebhard: “Die Initiative für die Schaffung einer zeitgemäßen Musikbusiness-Plattform in Berlin ist überfällig und versteht sich auch als Ermutigung und community-orientierte Alternative für Künstler und Musikschaffende, die unmittelbar von der Absage der Popkomm betroffen sind.“

Die Vervielfältigung und der Vertrieb von traditionellen Tonträgern und die damit verbundene Industrie erlebt dramatische Einbrüche. Gerade diese systemische Krise der Industrie muss aber genutzt werden um in einem offenen Diskurs weiter zu denken und innovative Geschäftsmodelle für die Musikwirtschaft zu entwickeln. Berlin hat sich in den letzten Jahren als Magnet für Kreative aus der ganzen Welt entwickelt und ist somit bestens aufgestellt um mit einer neuen, künstlerorientierten Plattform die Zukunft des Musikbusiness zu thematisieren.

Martin Brem

http://twitter.com/unkomm
http://digiom.wordpress.com/2009/06/19/unkomm-strategiepapier-fuer-eine-bottom-up-musikfachmesse-und-festival/
http://www.facebook.com/pages/Everywhere/unkomm/90225583130

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Comments
Mai June 23, 2009

eeeendlich tut sich was!! Ihr sprecht mir aus der Seele…ich bin dabei!!!!

Weiter so!!

Eva June 23, 2009

Fände ich ganz großartig, wenn sich eine kritische Masse an Mitstreitern findet.

Die Dezentralität finde ich gut, man könnte alle einbeziehen, die sich ihre Unabhängigkeit bewahrt haben, weit über den Musikbereich hinaus. Allerdings stellen sich mir auch Fragen: eine solche Aktion braucht einen zentralen Ansprechpartner, wer übernimmt diesen sicherlich nicht ganz unaufwändigen Job? Und ich würde mir eine positivere Aussage wünschen als ein Wort mit “un” vorne. Und überhaupt: eine Aussage treffen: da müsste wohl zumindest ein einseiter her, der darüber informiert, dass in Punkto Musik (auch: Musikwirtschaft) vielvielviel mehr passiert, als Filesharer-Bashing.

Würde neben persönlichem und synergetischem Engagament falls gewünscht den Brand “Independent’s Day” mit in den Topf schmeißen. Mehr darüber unter: http://www.worldwideindependentnetwork.com/index.php?mact=News,cntnt01,detail,0&cntnt01articleid=2&cntnt01origid=15&cntnt01returnid=51

Lieben Gruß,

Eva

digiom (Jana Herwig) June 23, 2009

Dass der #unkomm-gedanke an so vielen unterschiedlichen Ortn Anklang findet zeigt einmal mehr, wie reif die Zeit dafür ist!

Für Menschen in Hamburg: Dort findet am 4. Juli das dritte Umsonstfest - Rock die Ware! - statt. Siehe auch: http://www.keimform.de/2009/06/22/drittes-umsonstfest-rock-die-ware/

Danke, com_pop in Berlin, und vorzüglich Grüße aus Wien:

Jana

Daniel June 23, 2009

Zeit wird´s, denn die Branche ist ja nun auch schon eine ganze Weile tot…

Ich beanstande lediglich den Vertipper “Medienwissenschafterin”, es sei denn, da is ein Wortspiel intendiert.

iLike Brem, anyway…

Best,
dkomm (!)

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